Freitag, 2. Juni 2017

KUNST und ihre wahre Bedeutung

🌟Kunst macht das Leben reicher🌟


Jeder hat eine andere Vorstellung davon, was Kunst ist. Aber alle, die du fragst, welchen Effekt Kunst in ihrem Leben hat – egal ob Kunstkonsumenten oder Künstler – werden in Einem übereinkommen: Kunst macht ihr Leben reicher. Das ist die Gemeinsamkeit zwischen Künstlern und Leuten, die bloß Kunst konsumieren. Zwischen dem, was Künstler und Leute, die bloß Kunst konsumieren, über Kunst denken: Kunst macht ihr Leben reicher. Egal ob sie spontan antworten oder ewig nachdenken, „Kunst macht das Leben reicher“ wird ihrer Meinung nach die am besten geeignete Antwort sein.


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Das hat natürlich auch Auswirkungen auf meine eigene Kunstauffassung: „Kunst macht das Leben reicher“ bedeutet für mich, nichts mehr tuen zu müssen, was mir nicht gut tut. Und das hat das Kunstmachen oftmals getan.
Ich kann also nicht weiter machen wie vorher. Denn bisher war für mich das Erkennungsmerkmal von großer Kunst immer, dass ich mich für sie aufopfern und alles geben muss. Das Gefühl, besser habe ich es nicht hinbekommen, war für mich alles, worauf es in der Kunst ankommt. Der einzige Weg, Kunst entstehen zu lassen.
Wie aber passt dieses permanent Sich-Aufopfern zum positiven Effekt, den Kunst für einen selbst haben soll? Ist das nicht ein Widerspruch?
Er liegt für mich aber nicht darin, dass man sich für Kunst aufopfern muss, denn ich muss mich tatsächlich verausgaben, damit es mir gut geht. Sondern darin, sich für selbsterfundene Dinge, wie Kunstwerke, aufzuopfern. Meint Kunst nicht eher das Leben selbst? Ist Kunst nicht eher eine Art zu leben? Sodass es einen unmittelbaren Effekt auf mein eigenes Leben hat, wenn ich mich für die Kunst aufopfere. Ist das nicht erstrebenswerter?

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Kunst steht für ein besseres Leben

Ist es nicht wunderbar, dass sich Künstler und Kunstliebhaber, was die Wirkung von Kunst auf ihr Leben angeht, so einig sind? Und dass diese Wirkung dazu noch etwas so Großes und Kraftvolles ist? Nämlich dass Kunst für ein besseres Leben steht: Kunst macht das Leben reicher.
Und ich merke, wie ich beim Aussprechen von meinen Gedanken fortgetragen werde in meine Idealvorstellung einer Welt.

A Single Man (2010) R: Tom Ford
Und ich freue mich darüber, dass so viele Leute etwas Schönes mit Kunst verbinden, dass Kunst jedem, der sich mit Kunst befasst, so viel bedeutet. Kunst macht das Leben reicher. Und ich habe kein Problem damit, dieses Gefühl mit anderen zu teilen, obwohl es für mich früher, für meine Persönlichkeitsbildung, um mich zu einer starken, unabhängigen und eigenständigen Person zu entwickeln, ganz wichtig war, dass andere speziell mich irgendwie dieser exklusiven Kunstszene zuordnen und dass meine Berechtigung für diese Zugehörigkeit zum Bereich Kunst der Unterschied zwischen mir und anderen ist. Und dass Kunst mich einzigartig macht.

Im ersten Augenblick ein starker Satz

Kunst macht das Leben reicher. Im ersten Augenblick ist das ein so starker Satz. So herrlich einfach und hat gleichzeitig etwas Magisches – wie gute Kunst selbst also. Nichts könnte man meinen, bringt so treffend, wie dieser kurze Satz, die Wirkung von Kunst auf das Leben der Menschen auf den Punkt. Und wenn sich darin sogar alle einig sind, weil ja alle das gleiche antworten – zwar unterschiedliche Illustrationen liefern, wie Kunst ihr leben reicher macht, die im Kern jedoch alle genau das gleiche ausdrücken – dann muss es sich dabei wirklich um die wahre Bedeutung von Kunst handeln: Kunst macht das Leben reicher.
Gleichzeitig ist er aber ziemlich unmutig und leer und hört sich, wenn man genauer darüber nachdenkt, so an, als hätten alle, vor allem das Kunstpublikum, das Wörtchen „reicher“  nicht verwendet, weil sie damit etwas Konkretes sagen wollten oder ausdrücken könnten, sondern bloß aus Ehrfurcht vor der Kunst beziehungsweiße ihrer eigenen Vorstellung von Kunst (wie wichtig das, was jeder Einzelne mit Kunst verbindet, für das richtige Verständnis von Kunst ist, darauf werde ich später noch kommen), sodass ihnen jede andere Zuschreibung, abgesehen von „reicher“, unangemessen vorgekommen wäre.
Daher kommt es auch – weil dieser Satz so magisch klingt und so unmutig zugleich ist –, dass er sich anhört, wie einer jener Sätze, die in Interviews in Hochglanzmagazinen fett gedruckt und farblich hervorgehoben wurden, neben Abbildungen des Künstlers vor einer schönen Kulisse.

Julian Schnabel © Globe Photo / Wiqan Ang

Julian Schnabel © GQ Germany

Trotzdem glaube ich, dass sich hinter „Kunst macht das Leben reicher“ tatsächlich die wahre Wirkung von Kunst verbirgt, und er alles, was Kunst ausmacht, in fünf Worten zusammenfasst. Kunst macht das Leben reicher – auch wenn dieses „reicher“ so nichtssagend bleibt, dass sich davon ausgehend keinerlei Rückschlüsse auf das wahre Wesen der Kunst ziehen lassen.
Mehr als ein undefinierbares Gefühl ruft dieses „reicher“ nämlich nicht hervor. Aber vielleicht hat ja zumindest dieses Gefühl wirklich etwas Wahres und vielleicht geht es bei Kunst ja auch gerade genau um dieses Gefühl. Und weil auch in mir dieses Gefühl geweckt wird und weil auch ich glaube, dass Kunst das Leben reicher macht, versuche ich hinter das Geheimnis dieses „reicher“ zu kommen.

"reicher" klingt wie „mode-„ oder „werbeschön“

Deshalb nochmal: Wenn du normale Leute, fragst, welche Bedeutung Kunst für sie hat, werden sie dir antworten, dass Kunst ihr Leben reicher macht. Und auch ein Künstler – egal, wie viel ihm das Kunstmachen auch abverlangt, wie sehr ihn das Kunstmachen auch zur Verzweiflung oder Weißglut bringen mag – wird sagen, dass Kunst das Leben reicher macht. Obwohl das wie ein Satz aus einer Illustrierten klingt oder schlimmer noch, sogar ein Wandtattoo sein könnte.
Und auch wenn dieses „reicher“ nicht mit einem „mode-„ oder „werbeschön“ gleichsetzbar ist, halte ich, den Vergleich zwischen Kunst und einem Hochglanzblättchen nicht für ganz so abwegig, um hinter die wahre Bedeutung von Kunst zu kommen und den Effekt von Kunst auf ein Leben zu verstehen, geht es doch aber bei der Vorstellung, die alle Antwortgeber davon haben, was Kunst bei ihnen oder in ihnen bewirkt, die alle Antwortgeber vom Effekt der Kunst haben, seien es Produzenten oder Konsumenten, vor allem darum, dass Kunst das Leben lebenswerter macht. Die Zeit nicht mehr davonrennt, angehalten wird, wenigstens für den Moment des Kunstgenusses (im Falle des Rezipienten) beziehungsweiße für den Zeitraum des kreativen Schaffens (im Falle des Produzenten) oder besser gesagt, dieses Verrinnen durch eine Überfülle an Eindrücken kompensiert wird, sie in besonderem Maß stimuliert werden, sich besonders intensiv mit ihren Träumen, Wünschen und Sehnsüchten befassen können und daraus resultierend zufriedenere, interessantere glücklichere oder zumindest erleichtertere Menschen werden.
Es geht also um den gleichen Effekt wie in der Mode und Werbung. Also doch irgendwie Hochglanzmagazin. Und es ist nicht einmal ein Widerspruch, dass zur Wirkung von Kunst genauso auch Aufrütteln, Aufwecken und vor den Kopf Stoßen gehören, weil diese ja nicht zwangsläufig als etwas Negatives wahrgenommen werden. Trotzdem würde Kunst nicht durchweg als etwas Positives gelten, würde sie einem nicht überwiegend ein Gefühl von Genuss, Schönheit, Zeitlosigkeit und Glück schenken. Gefühlsempfindungen, auf die auch die Mode, die Werbung und die Unterhaltungsindustrie aus sind.

Selbstverwirklichung 


Ist das nun ein Armutszeugnis für die Kunst? Heißt das, dass die Kunstindustrie genauso oberflächlich ist, wie die Werbe- oder Modeindustrie? Wenn man an die fabrikmäßige Herstellung von Kunstwerken nach den Geschmäcken und Vorlieben der Sammler und den Vorgaben des Marktes denkt, könnte man glatt zu diesem Glauben gelangen. Oder bedeutet es, dass hinter Begriffen wie Schönheit, Genuss, Anspruch – im Englischen klingen sie noch besser: „wealth“, „beauty“, „perfection“ – eine gleiche tiefe, wahre Bedeutung liegt, wie hinter „Kunst macht das Leben reicher“.



Und dass deren Oberfläche, also das, wofür sie augenscheinlich stehen, obwohl sie in Wahrheit alle eine tiefere Bedeutung besitzen (ich behaupte sogar, alle die selbe tiefe Bedeutung, wie „Kunst macht das Leben reicher“), von der Branche nur – wie Kritiker sagen – „missbraucht“ wurde.
Ich habe nichts gegen diesen Missbrauch. Im Gegenteil: Ich finde ihn nachvollziehbar, weil Mode, Werbung und Unterhaltung wie die Kunst mit Träumen operieren und weil ich glaube, dass hinter jedem Modefoto, hinter jedem fett hervorgehobenen Satz in einem Interview in Hochglanzmagazinen, eine abstrakte Vorstellung von etwas liegt – die selbe abstrakte Vorstellung, die auch hinter dem Reichtum, der Reichhaltigkeit und Fülle in „Kunst macht das Leben reicher“ liegt, die selbe abstrakte Vorstellung, die meiner Meinung nach auch hinter der Kunst selbst steckt, die selbe abstrakte Vorstellung, von der ich nicht ganz sicher bin, ob es sich bei ihr nicht eigentlich um die Kunst selbst handelt.


© GQ Germany
Es ist doch schön, dass die Mode, die Werbung und die Unterhaltung, diese abstrakte Vorstellung auf Begriffe gebracht haben, mit denen jeder etwas anfangen kann. Und dass diese abstrakte Vorstellung mit Begriffen, wie „perfection“, Genuss, „beauty“ und „lifestyle“ zusammenhängt, die von der Mode, Werbung und Unterhaltung vereinnahmt wurde und dass wir dabei deshalb an lackierte Nägel denken, an Ivanka Trump und an Norman Bates aus American Psycho, ist, finde ich, gar kein Armutszeugnis, sondern steht im Gegenteil für die größte Errungenschaft unserer Zeit: Die Selbstverwirklichungsindustrie oder Traumindustrie, zu der Mode, Werbung, Social Media und auch die Kunst gehören, die uns vor Augen hält, welch ein wichtiges Gut Selbstverwirklichung heute in der Gesellschaft darstellt.


Vielleicht hilft dieser Vergleich sogar dabei, endlich den Fehlglauben zu beheben, dass sich aus der Entscheidung Kunst zu machen, automatisch ergibt, dass man sich auf das eigene Glück verlässt, sich gehen lässt, weil Kunst ja das eigentlich Wichtige ist und nicht man selbst.
Wenn wir heute also in der Werbung oder in Magazinen, geschönte Bilder von teuren Produkten, tollen Orten und wunderschönen Menschen sehen, dann geht es nicht darum, uns Dinge zu verkaufen, sondern dann reagiert die Industrie einfach nur auf unseren eigenen Wunsch, uns selbst zu verwirklichen, unsere Träume auszuleben und uns selbst zu optimieren, weil mit der Möglichkeit sich selbst verwirklichen auch die Ansprüche, die man an sich selbst hat, wachsen.
Daher frage ich: Haben die Modeindustrie und Werbung mit Botschaften wie „#ImPerfect“, „#WomenWhoWork“ oder „strong and beatiful“ die wahre Wirkung von Kunst nicht genauso auf eine eindeutige Formel oder Schlagwörter gebracht, wie es der Slogan „Kunst macht das Leben reicher“ tut?  Und sind sie nicht näher dran an der wahren Wirkung von Kunst, als alle realen Kunstwerke, hinter denen der Künstler seine "egoistische" Absicht, sich selbst zu verwirklichen, die jeder hat, und die sich die Werbung und Mode zu Nutzen macht, bloß verbirgt?
Überhaupt macht das Zustandebringen von Kunstwerken, das Arbeiten an Kunstwerken diesen ursprünglichen Gedanken von Selbstverwirklichung ganz vergessen, weil ja ein Leben für die Kunst  völlige Hingabe erfordert – bis zur Selbstaufopferung –, sodass dieser ursprüngliche Wunsch nicht nur völlig in Vergessenheit gerät, sondern auch ganz und gar unangemessen erscheint angesichts, dessen, was man alles zur Erschaffung von Kunst aufbringen muss. Auch wenn der Wunsch sich selbst zu verwirklichen eigentlich nicht deutlicher erkennbar sein könnte, nirgendwo deutlicher zum Ausdruck kommt, als im Entschluss Kunst zu machen.

Worum geht es in „Kunst macht das Leben reicher“?

„Kunst macht das Leben reicher“ hilft uns zu diesem ursprünglichen Gedanken zurückzufinden. Ich will erläutern, worum es meiner Meinung nach in „Kunst macht das Leben reicher“ geht:  In „Kunst macht das Leben reicher“ und der abstrakten Vorstellung, die dem Kunstbegriff darin zu Grunde liegt, stecken meiner Meinung nach drei unterschiedliche Wirkungen von Kunst, die sich alle mit „Kunst macht das Leben reicher“ überschreiben lassen: Kunst ist (1) ein wichtiger Bestandteil des Selbstbilds, der Selbstkonzeption eines Menschen, bei Kunst geht es um (2) Life-Work-Balance und um (3) Dinge-Verarbeiten.

Selbstkonzeption


(1): Kunst und alles, was zur Kunst dazugehört, die Kunstwelt, das Klischee vom Künstler, alles, was ein Mensch mit Kunst in Verbindung bringt (Schönheit, Erhabenheit, Glanz, Glamour, Gefühl, Geheimnis, Magie, Tiefgründigkeit und Tiefsinnigkeit), sind Bestandteile der Selbstkonzeption eines Menschen, durch die er ein seiner Vorstellung nach besseres Leben zu erreichen versucht.

Künstler und Vernissage-Besucher in St.Agnes © Getty Images 
Bei „Kunst macht das Leben reicher“ geht es nicht darum, was ein einzelnes Kunstwerk – das gilt für den Besitz, die Rezeption und die Produktion von Kunst gleichermaßen – mit einem macht, welche Gefühle es in einem auslöst, welche Denkanstöße es liefert. Also nicht Kunsterfahrung im Sinne des Kontakts mit einem Kunstwerk und die Reaktion darauf. Ein einzelnes Kunstwerk ist in diesem Modell sogar gänzlich bedeutungslos, egal wie tief im Innersten einen auch berühren mag. Sondern es geht um alles, was zur Vorstellung von Kunst dazugehört und zum Teil der Selbstkonzeption eines Menschen wird.
Es handelt sich daher trotzdem um ein Reiz-Reaktionsmodell. Nur nicht zwischen Kunstwerk und Betrachter, sondern zwischen Entwickler eines Selbstkonzepts und Vorstellungen, die mit Kunst verknüpft sind. Ein Mensch macht Kunst zum Bestandteil seiner Selbstkonzeption, mit der er ein besseres leben zu erreichen versucht. Kunst wird aufgrund aller Vorstellungen, die mit Kunst verbunden sind – die sogar unabhängig sein können von persönlichen Erfahrungen mit realen Kunstwerken – zur Säule eines besseren Lebens. Damit kommt Kunst die selbe Bedeutung zu, wie für Bodybuilder Ernährung und Bewegung, die selbe Bedeutung wie für andere Leute Statussymbole, wie ein Porsche 911er, eine Rolex oder Birkin Bag, die über ihren Wert als teure Verkaufsobjekte (die Kunstwerke ja im Grunde ebenso sind) eine viel größere Bedeutung für einen Einzelnen haben können – darüber hinaus eine eigene Geschichte besitzen, die einem die Werbung erzählt, mit einem Lebensgefühl verbunden werden und mit konkreten Personen, Vorbildern in Verbindung gebracht werden – und lebensveränderten Einfluss auf einen Menschen nehmen können, weil er in ihnen alle seine Vorstellungen eines anspruchsvollen Lebens bündelt, sie zum Symbol eines besseren Leben macht und sie ihm dabei helfen, dies wirklich umzusetzen, indem sie als Leitstern dienen.


Um die selbe Art von All Time-Favorites, die mit Vorstellungen eines besseren, schöneren anspruchsvolleren Lebens verbunden sind, wie die Rolex, der Porsche oder die teure Handtasche, handelt es sich also auch bei der Kunst. Und es geht dabei nicht um Luxus, auch wenn es sich bei Kunstwerken natürlich um Luxusgüter handelt, sondern um Anspruch. Kunst als Attribut eines anspruchsvolleren Lebens. Beim Erlangen von Schönheit, von Fitness, beim Kauf einer Rolex, eines Porsche, einer Birkin-Bag, beim Kauf von Kunst, beim Genuss von Kunst, bei Herstellen von Kunst, beim sich selbst verwirklichen geht es im Kern um genau das Selbe: Würde-Erlangen. Mehr Selbstzufriedenheit. Ein positiveres Lebensgefühl.
Diesen Effekt beschreibt auch der Satz „Kunst macht das Leben reicher“. Es geht bei Kunst also nicht um die tiefe Berührung mit einem einzelnen Kunstwerk, die egal wie stark sie auch sein mag, wie tief und heftig sie einen auch ergreifen mag und auch wenn dies als Zeichen für große Kunst erachtet wird, bloß temporär ist und daher zweitrangig bleibt. Sondern es geht darum, welchen Einfluss die Vorstellung eines einzelnen von Kunst, wenn er Kunst zur wichtigen Säule seines Selbstentwurfs macht auf die Ausgestaltung eines gesamten Lebens nimmt.

Life-Work-Balance

(2): Wenn Menschen sagen, Kunst macht ihr Leben reicher, dann verwenden sie „Kunst“ in Abgrenzung zu „Alltag“, dann geht es um Life-Work-Balance. Die meisten Menschen konsumieren Kunst in ihrer Freizeit, im Urlaub, am Wochenende, nach Feierabend. In den gleichen Momenten, in denen sie auch Modemagazine lesen und Werbung schauen würden. Um sich treiben zu lassen, sich inspirieren zu lassen, es sich gut gehen zu lassen. Ich denke, dass es bei so einem Kontakt des Publikums mit Kunst – beim Kunstproduzieren ohnehin – weniger ums Nachdenken über Kunst, sondern ums Nachdenken über sich selbst geht und dass es beim Besuch einer Ausstellung in Wirklichkeit nicht um die darin ausgestellten Kunstwerke, sondern vor allem um Zeit für sich selbst und mit sich selbst geht.

Arbeiten an sich selbst 

(3): Man kann mir vorwerfen, dass ich dieses Bild von Kunst nur habe, weil ich mich für modischer, schöner, gepflegter und durchtrainierter halte als andere. Weil ich mehr dafür getan habe, an das Bild heranzureichen, das uns die Mode und die Werbung vorgeben – und daraus den Glauben schöpfe, mehr mit Kunst zu tuen zu haben, als andere.
Aber im Gegenteil: Ich denke, ich war viel unzufriedener mit mir als andere. Bin viel weniger mit mir selbst klargekommen als andere. Habe viel stärker den Drang verspürt mich zu verändern und deshalb zur Kunst gefunden: Die Kunst als Ausweg gesehen.
Auch wenn ich keine Antwort auf die Frage „Was ist Kunst?“ habe, würde ich deshalb niemals an der Existenz von Kunst zweifeln. Weil die Kunst mir wirklich geholfen hat, weil ich ihre Wirkung wirklich gespürt habe, weil ich durchs Kunstmachen ein glücklicherer, zufriedener, stärkerer Mensch geworden bin. 
Ich wiederspreche daher ganz lauthals jeder Definition die sagt, dass Kunst nutzlos sei oder dass sich die Wirkung von großer Kunst noch immer mit Magie oder dem Einbruch von etwas Göttlichem vergleichen lasse, weil sie nicht erklärbar sei. Weil der Künstler nicht wisse, wie er dieses große Kunstwerk zu Stande gebracht hat und der Betrachter auf unerklärliche Weise, davon ganz tief im Innersten berührt werde. 
Dadurch kann aber niemand wirklich von der Kunst profitieren, niemand einen Nutzen aus der Kunst ziehen. „Kunst macht das Leben reicher“ stünde dann nur für den kurzen Moment der tiefen Berührung (Rezipient) und den Moment des Wunderns über sich selbst, weil man nicht weiß, wie man ein großes Kunstwerk zu Stande gebracht hat (Produzent).
Ich glaube nicht, dass Kunst machen etwas Magisches ist, sondern dass es Kunst wirklich gibt. Kunst meint aber nicht Kunstwerke, sondern: Kunst meint die Arbeit an sich selbst und den Effekt, der sich aus dieser Arbeit ergibt und den jeder bei sich selbst wahrnehmen, den jeder bei sich selbst spüren kann.🌟





Donnerstag, 4. Mai 2017

KUNST und Terror

Text zum Video "KUNST und TERROR | Welt verändern mit KUNST | Sinnfrage" (04.05.2017)

Kunst als Anspruchshaltung – und mit dieser Anspruchshaltung "Kunst" andere Dinge tun, als nur Kunstwerke schaffen. Dinge, die bedeutender sind als Kunstwerke. Damit man sich in unruhige Zeiten (mit Terror, Flüchtlingskrise, Rechtsruck in der Gesellschaft, Sorge vor dem Zusammenbruch der EU und Krisenherden weltweit wie Syrien, Nordkorea und der Ukraine) als Künstler nicht überflüssig fühlt.



💥Kann Kunst etwas ändern?💥

"Hi Leute! Dies ist jetzt wohl das ernsteste Video, das ich bisher gemacht habe. Es heißt „Kunst und Terror | Welt verändern mit Kunst? | Sinnfrage“ und es geht darin, um all die schlimmen Dinge, mit denen einige grausame Menschen uns normalen Leuten das Leben auf dieser eigentlich doch so schönen Welt zu Leid machen und zerstören wollen:  Es geht um Terror, Krieg und unser aller Verantwortung. Und vor allem darum, wie sich für mich als Künstler alles verändert hat, seit die Weltlage so angespannt ist.
Ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen, was soll meine Aufmachung und vor allen Dingen, was soll dieses Bild hinter mir, das Angela Merkel in den Fängen eines IS-Schlächters zeigt und im Hintergrund ganz viele anströmende Flüchtlinge. Es bildet all die Probleme ab, mit denen wir zur Zeit auf der Welt kämpfen. Putin, Trump und Erdogan sind dabei noch ganz außer Acht gelassen. Manche meinen ja sogar, ein dritter Weltkrieg steht kurz bevor.
Und in Anbetracht all dessen will ich euch fragen: Glaubt ihr wirklich, dass ich mit diesem Bild irgendwas verändern kann? Glaubt ihr wirklich, dass Kunst irgendetwas in der Welt verändern kann? Zum Besseren wenden kann? Dann lasst euch das mal aus der Künstlersicht schildern.

Tiefe Betroffenheit 😢😢😢

Denn wenn irgendwo auf der Welt etwas Schreckliches passiert, wie in Paris, Nizza, Berlin, London oder Stockholm, also ein Attentat in meinem näheren Umfeld, auf Angehörige meines Kulturkreises, dann ist mein erster Gedanke nämlich nicht „Oh ja, jetzt ist mein Zeit endlich gekommen, mich als Künstler unter Beweis stellen zu können! Endlich gebraucht zu werden! Endlich anderen Leuten helfen zu können!“, wie es vielleicht sein sollte, sondern im Gegenteil: Ich fühle mich auf einmal ziemlich nutzlos.
Dann ist das erste, was ich empfinde, leider auch nicht Mitleid für die vielen unschuldigen Opfer und Verletze, die einfach zu falschen Zeit am falschen Ort waren, für deren Familie und Angehöre, sondern ich fühle mich als Künstler auf einmal einfach nur nutzlos und habe vor allem Angst um mich selbst. Ob ich weiter von Bedeutung sein werde. 
Ich bin zwar in Wirklichkeit auch nicht nutzloser als zum Beispiel Banker, oder Büroangestellte, Werbefachleute, Verkäufer oder was auch immer. Aber ich fühle mich mit meiner Entscheidung Künstler zu sein, Künstler geworden zu sein, in dem Moment zigmal nutzloser als alle anderen. Weil die Entscheidung, Künstler zu sein, ja schon mit dem Glauben daran zu tuen hat, dass Kunst das Größte ist. Dass ich mich mit Kunst für ein anderes, besseres, anspruchsvolleres, intensiveres Leben entschieden habe und ich Künstler geworden bin, weil ich mir davon versprochen habe, mehr damit erreichen zu können als andere.
Aber wie es wirklich ist, merke ich, wenn irgendwo auf der Welt etwas schreckliches passiert und ich als Künstler daran nichts ändern kann. Ich fühle mich als Künstler mit meiner Kunst in dem Moment, dann so dermaßen nutzlos, weil das Gefälle so groß ist zwischen meinem hohen Ideal von Kunst und dem, was ich als Künstler und mit Kunst tatsächlich erreichen kann.

Falsche Bedeutung von Kunst

Vor allem aber hängt das damit zusammen – und dafür kann ich nun wirklich gar nichts –, dass sich über die Jahrzehnte hinweg die Bedeutung von Kunst völlig verzerrt hat, dass das, was meiner Meinung nach die wahre Bedeutung von Kunst ist, verloren gegangen ist, und heute unter Kunst nur noch das Kunstwerk oder der Kunstgegenstand verstanden wird und heute wirklich der Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht ist, weil Kunst heute nur noch entweder das künstlich aufgebauschte Ausstellungsobjekt oder das extrem überteuerte Verkaufsobjekt ist.
Diese Nutzlosigkeit hindert mich daran, weiter kreativ zu sein. Kreativ in einer Art und Weiße, wie andere es von Künstlern erwarten, nämlich herkömmliche Kunstwerke zu produzieren.
Überhaupt ist doch in der Zeit, in der wir Leben, die Geschwindigkeit, mit der sich Dinge ereignen und die Welt sich verändert, viel zu groß geworden, als dass man mit Kunst noch auf irgendwas reagieren könnte – außer auf Trump. Und das finde ich oft ziemlich albern, um ehrlich zu sein.
Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals mit Überzeugung so ein Stammtisch-Parole loslassen würde: Aber während man heute noch an einem Kunstwerk arbeitet, kann morgen schon der nächste Terrorschlag passieren. Und das glaube ich wirklich.
Meine Angst geht sogar soweit, dass ich echt nicht, weiß, ob es in diesem Jahr eine besonders gute Idee ist, auf solche Kunst-Großereignisse, wie die Documenta, die Skulptur-Projekte in Münster oder die Biennale in Venedig zu gehen, weil ich sie für optimale Anschlagsziele halte.
Im März erst haben italienische Ermittler eine Terrorzelle in Venedig hochgehen lassen.
Stellt euch doch einfach mal vor, Attentäter würden es tatsächlich schaffen Maschinengewehre auf die Biennale von Venedig einzuschleusen. Die müssten dann einfach nur von einem Pavillon zum nächsten laufen, die grenzen ja direkt aneinander und, wenn man drin ist, ist man eingekesselt, losfeuern und würden mit Sicherheit auf einen Schlag ein paar hundert Leute erwischen – am Eröffnungstag wahrscheinlich noch mehr.

🏃🏃🏃Nicht mehr aufhalten lassen!🏃🏃🏃

Deshalb finde ich darf man sich schleunigst nicht mehr länger mit der Herstellung von Kunstwerken aufhalten lassen, finde ich, sondern muss Kunst, und jetzt vergesst einmal bitte alles, was euch bisher bei Kunst so in den Kopf kam, ich werde Kunst im Anschluss gleich neu definieren, sondern muss Kunst verinnerlichen, als Haltung verinnerlichen und damit andere Dinge tuen, als Kunstwerke zu produzieren. Und ich korrigiere mich diesbezüglich auch gerne, was ich in den letzten Videos über meine Kunstformel, über Kunst als Formel fürs Leben gesagt habe: Ellenbogengesellschaft ist, das sehe ich ein, vielleicht gerade nicht das beste Model.
Deshalb sind Kunst beziehungsweise das Beste geben in der Formel „Kunst bedeutet, jeden Tag, das beste aus dem eigenen Leben rauszuholen, um, wenn schon niemand genau sagen kann, was wirklich Kunst ist, zumindest die optimalen Voraussetzung zur Herstellung von Kunst zu schaffen“ vor allem auch bezogen auf das größtmögliche Maß an Selbstreflexion, Fähigkeit zur Selbstkritik, sich selbst zu hinterfragen und Demut. Dadurch wird Kunst, die einem heute ja oft als moralische Instanz verkauft wird, was sie aber beim besten Willen nicht sein kann, für jeden Einzelnen wirklich zu seiner ganz eigenen, individuellen moralischen Stütze.
Einfach indem er durch die Kunst, oder indem er sich an die Formel hält, hohe Ansprüche – auch moralische – an sich selbst stellt, das Recht hat, die gleichen hohen Ansprüche auch an andere zu stellen und allgemein mehr Gerechtigkeit zu fordern.

Dinge einfordern 

Und mit dieser Anspruchshaltung Kunst, der Formel, jeden Tag das Beste aus dem eigenen Leben rauszuholen, um, weil ich ja nicht weiß, was Kunst ist, zumindest die optimalen Voraussetzungen zur Herstellung von Kunst zu schaffen, erlaube ich mir auch mich über all die angeblichen Künstler lustig zu machen, die tatsächlich solche Bilder malen, wie ich es für dieses Video getan habe und trotzdem weiter von der großen Bedeutung ihrer Art von „Kunst“ überzeugt sind.
Und ich erlaube mir auch, um auf das Thema Terror zurückzukommen, genauso auch zu fragen, wo bleibt denn die Solidarität aller verantwortungsbewussten, friedliebenden und fortschrittlichen Muslime, die, wovon ich ausgehe, den Großteil aller Muslime darstellen? Natürlich können nicht alle Muslime etwas für die Anschläge und natürlich darf man nicht alle Muslime unter Generalverdacht stellen, aber von Mitleids- oder Solidaritätsbekundungen, Gottesdienste für die Opfer des Radikal-Islamischen Terrors oder Informationsveranstaltungen seitens der örtlichen Moscheen habe ich leider nichts mitbekommen. Aber mit der Anspruchshaltung Kunst erlaube ich mir genau dies einzufordern.
Versteht ihr, was ich meine? Einfach indem ich durch die Kunst das Beste gebe, kann ich mir auch erlauben mehr von anderen einzufordern, auch wenn ich dafür einen Shitstorm im Netz abbekomme.
Also für die Kunst das Beste geben und dadurch das Gefühl bekommen, Dinge von anderen einfordern zu können, die man sich zuvor nicht getraut hat, statt schüchtern in irgendwelche Bilder oder Skulpturen kaum vernehmbare Botschaften zu packen.
Ein Beharren auf nationaler, kultureller oder religiöser Identität, wie es manche fordern, um sich nicht einschüchtern zu lassen und mit diesem Bewusstsein Kunst machen oder sich mit dem eigenen Kunstschaffen bewusst dagegen zu wenden, bringt meiner Meinung nach hingegen gar nichts. Ich fordere: Kunst als Anspruchshaltung, statt Kunst machen. Und wenn schon unbedingt Kunstwerke machen, dann nur wenn man diese Anspruchshaltung verinnerlicht hat. Also erst wieder Bilder, erst wieder Bücher, erst wieder Lieder, mit denen man sich für irgendetwas einsetzt, wenn man diese Anspruchshaltung, für die Kunst sich selbst optimieren zu müssen, statt für andere Kunstwerke schaffen zu müssen, voll und ganz verinnerlicht hat. Also ganz weit oben muss die Anspruchshaltung Kunst stehen, als oberste Priorität gelten, mit der man jedoch alles machen kann, nicht unbedingt notwendigerweise nur Kunst. Irgendwo ganz weit unten darf dann das Vorhaben stehen, Kunstwerke herzustellen.

🌋Trump-Effekt🌋


© Die WELT
In Anbetracht all dessen, was in der letzten Zeit auf der Welt passiert ist, und ich gehe mal davon aus, dass ich ja nur einen winzigen Bruchteil des ganzen Schreckens mitbekommen habe, das meiste Leid geschieht ja im Verborgenen, gehe ich sogar so weit zu behaupten: Mit Kunst kann und hat man in der Welt noch nie etwas verändern können und wird es auch in Zukunft niemals können. Und wer etwas anderes behauptet als ich, ist total verblendet.
Aber, und jetzt komme ich zum zweiten Teil dieses Videos: aber als Künstler. Mit der Anspruchshaltung Kunst, mit dem Drang Kunst zu machen und mit all den Konsequenzen, die die Entscheidung Künstler zu werden oder die Erfüllung der Bestimmung, Künstler zu werden, auf ein Leben haben. Und das nenne ich den Trump-Effekt. Und bevor jetzt gleich alle aufschreien, gebe ich gerne zu, dass es ein wenig sarkastisch sein mag, den einzigen Weg, auf dem man meiner Meinung nach mit Kunst noch wirklich etwas in der Welt verändern kann, nach Trump zu benennen, aber das hat nur den Zweck meine Theorie zu bebildern. Und Trump eignet sich dazu nun mal eben am besten als Beispiel.
Also die Theorie geht so: Als Künstler mit Kunst im Feld Kunst, kann man nichts erreichen. Das liegt aber nicht am Künstler, sofern er wirklich ein wahrer Künstler ist und nicht bloß jemand, der gut in das System „Kunst“ passt, sondern am Kunst-System, in dem Kunst entweder nur noch „Geldverdienkunst“ ist, oder „Zauberkunst“, schaut euch dazu mein letztes Video an. Und beides geht, wenn wir doch mal ehrlich sind, an der Lebenswirklichkeit der meisten normalen Menschen doch total vorbei.

Zwischen "Kunstverein-Kunst"💤 und "Geldverdienkunst"💸

Aber wenn man als Künstler seinen bisherigen Denkhorizont und sein Wirkungsfeld überschreitet – was ohnehin automatisch passiert, wenn man wie ich Kunst als Formel fürs Leben versteht, als Anspruchshaltung und nicht bloß unter Kunst versteht Kunstwerke zu schaffen – sich selbst sagt, ich bin Künstler, will Künstler sein, deshalb muss ich kreativer sein, besser sein, leistungsorientierter, aufmerksamer, visionärer oder vielleicht auch nur einfach extremer als andere, und mit dieser Anspruchshaltung die unwirkliche Kunstwelt verlässt, außerhalb der Kunstwelt sich wichtigere Bereiche sucht, und darin versucht etwas zu bewegen, dann kann man als Künstler mit Kunst noch wirklich etwas in der Welt verändern.
Daran wird auch deutlich, dass die Kunst an sich ja gar nicht bedeutungslos und wirkungslos ist, und ich das nur ein wenig zugespitzt habe,  sondern nur sich in der Kunstwelt aufzuhalten.
Aber Künstler, der  in den Verdacht gerät in erster Linie so ein Systemkünstler zu sein, ist heute eine völlig überflüssige Stimme in der Welt, hingegen ein Exot, Paradiesvogel, markiger, auf irgendeine Weise herausstechender Typ, der etwas bewegen will und der deshalb heraussticht, um auf Trump zurückzukommen, der diesen Drang besitzt, etwas zu bewegen, was ja im Grunde nichts anderes ist als Kunst, der wird von den Leuten im Gegensatz zum Künstler als notwendig empfunden und sie fühlen sich von ihm repräsentiert, was sie durch Kunst nicht tun. Weil Kunst im Falle von Kunstverein-Kunst viel zu penibel, verkauft und kleinteilig ist. Und im anderen Fall, im Fall der Verkaufskunst, der Künstler zum Hoflieferanten wird der 62 Superreichen der Welt, die zusammen so viel Geld besitzen, wie die halbe Weltbevölkerung.

💖Kunst als Kraft💖

Dabei existiert für mich in Wirklichkeit gar keine Unterscheidung zwischen Künstlern, also echten und nicht bloß nur Systemkünstlern und solchen Führungspersönlichkeiten, oder sagen wir Leitfiguren oder Vorbildern. Meine Definition von Kunst als Formel fürs Leben stellt ja genau diesen Anspruch, Vorbild zu werden, automatisch auch ans Künstler-Sein. Man darf nur als Künstler nicht seine Energie im Feld der Kunst verschwenden. Kunst dürfte gar nicht mehr als eigenes Feld existieren, sondern, und jetzt will ich einmal konkretisieren, unter Kunst müsste man in Zukunft die Denkmuster hinter allem Handeln, alles, was einem im Leben antreibt, alles, was hinter jeder großen Tat steckt, verstehen. Also Kunst als etwas so Grundsätzliches, so grundsätzlich Menschliches, dem Menschen ureigenes, dass Kunst gar kein eigenes Feld sein kann, weil sie in jedem anderen Feld mit drin steckt, weil es in Wahrheit der Motor ist von allem und dass es deshalb der größte, wirklich größte Unfug ist, diesen Energie mit der Herstellung von Kunstwerken zu verschwenden, wo man doch diese Energie in so viele andere Dinge stecken könnte, die wichtiger sind, mit denen man wirklich etwas bewegen könnte, sodass man sich als Künstler nicht mehr nutzlos fühlen muss, wenn etwas Schreckliches in der Welt passiert.

Künstler bei der FDP 😅

Das erste, was ich deshalb als Künstler in der Politik tuen würde, und genau dort sehe ich in Krisenzeiten auch die Künstler, nämlich in der Politik, wäre andere davor zu bewahren, den Weg, nur Kunst zu machen, einzuschlagen. Wenn man sich als Künstler in die Politik begibt, in eine der etablierten Parteien eintritt, ich zum Beispiel bin in die FDP eingetreten, weil die FDP für Menschen ist, die mit ihrer Arbeit etwas bewegen und erreichen wollen, und für eine Politik, die Menschen motiviert, anstatt sie zu bemuttern, dann wird man, davon bin ich überzeugt, auf jeden Fall bei einer Wahl einen Listenplatz bekommen und dann wenn man gewählt wurde etwas verändern können. Weil man als Künstler eine besondere Erscheinung ist.  Diese Theorie mag vielleicht ein wenig überspitzt sein, soll aber verdeutlichen, welche Leute meiner Meinung nach in der Politik gebraucht werden. Und eben diesen Effekt, dass man als besondere Erscheinung mehr Aufmerksamkeit bekommt als andere und dementsprechend auch mehr verändern kann, nenne ich den Trump-Effekt.

Kunst aus dem Drang heraus, etwas Besonderes zu sein...

Man hat als Künstler diesen Drang etwas Besonderes zu sein, der zusammenhängt mit dem Ankämpfen gegen die eigene Depression, der Befreiung von inneren Zwänge, der Befriedigung tiefster innerer Bedürfnisse, die sich wahrscheinlich zurückführen lassen auf irgendein prägendes Erlebnis in der Kindheit oder in der frühen Jugend.  Dieser Zwang, alles einem höheren, abstrakten Ziel oder einer Idee namens Kunst unterzuordnen, hat natürlich auch Auswirkungen auf das eigene Verhalten, Auftreten, die Außenwirkung, das eigene Bild in der Öffentlichkeit.
Kunst ist also eine Anspruchshaltung. Deswegen gibt es ja auch noch Malerei, Bildhauerei, Video und Performance als begriffliche Trennungen. Malerei ist nicht bedingungslos automatisch gleich Kunst. Genauso wenig, wie es Bildhauerei, Video und Performance sind. Es gibt Kunst und es gibt Ausdrucksformen. Kunst im Singular meint aber etwas anderes: eine Art zu Leben. Kunst kann man leben, Ausdrucksformen, wie der Name schon sagt, nicht. Deshalb sollten Künstler auch diejenigen sein, die diese Anspruchshaltung „Kunst“ verinnerlicht haben, alles mit dieser Anspruchshaltung Kunst angehen, aber mit dieser Anspruchshaltung Kunst etwas ganz anderes machen,
Die größten Künstler sind diejenigen, die die Anspruchshaltung Kunst verinnerlicht haben, aber etwas anderes damit machen. Maler oder Bildhauer sind die schlechtesten Künstler. Maler, Zeichner, Bildhauer, Performer, Videokünstler (das gleiche gilt auch für Schauspieler, Musiker, Tänzer und Sänger) sind für Kunstliebhaber da. Künstler hingegen wollen wirklich was in der Welt verändern. Maler, Bildhauer wollen die Leinwand, den Marmorblock gestalten, Künstler wollen die Welt gestalten. Und können als Kollektiv auch wirklich etwas verändern, indem alle mit dem Anspruch jeden Tag das Beste aus dem eigenen Leben rauszuholen, um Kunst möglich zu machen, die Dinge angehen, weil sie alles einem höhere Ideal Kunst unterordnen, dass jeder für sich selbst festlegen kann.

😷Nicht Zahnarzt werden!😷 

Das bedeutet aber nicht, als Künstler Zahnarzt sein oder so, sondern schon sich einen Job aussuchen mit einer gewissen, ich nenne es jetzt mal, Öffentlichkeitswirksamkeit.
Ich zum Beispiel möchte als Künstler gerne Journalist sein oder als Künstler gerne als Journalist arbeiten. Ich könnte meine Journalistentätigkeit mit der Anspruchshaltung, Kunst zu schaffen, angehen und wäre anders als Künstler, die sich im Extremfall ständig nur im Atelier aufhalten, ständig nur mit meinem eigenen Schaffen beschäftigt sind und mit etwas Unwirklichem wie Kunst, mitten drin im Leben, ganz nah dran, an dem, was Menschen bewegt, ganz nah dran an ihren Problemen und könnte so als Journalist / Künstler / Journalist mit der Anspruchshaltung das Beste zu geben, also Kunst zu machen, wirklich etwas in der Welt verändern.

Der erste Schritt, um als Künstler die Welt zu verändern...

Der erste Schritt, um als Künstler die Welt zu verändern lautet also: Man darf nicht den Vorstellungen entsprechen, die andere vom Künstler haben. Es gibt hier auf Youtube ein Video, das ganz gut darlegt, wie diese Vorstellung oder sagen wir besser, diese Vorurteile, aussehen, die andere anscheinend noch immer von Künstlern haben. Ein Comedian, der sich Harry G nennt schlüpft darin in verschieden Rollen, vergleicht verschieden Studiengänge miteinander, von BWL bis Elektrotechnik und stellt immer den stereotypen Vertreter des jeweiligen Fachs dar.


Der Künstler ist darin natürlich der verträumte, abgehobene, illusionierte, der die ganze Zeit davon redet, was angesagt und was nicht angesagt ist, der nichts auf die Reihe kriegt, aber trotzdem hoffnungslos überfordert ist. Ich meine, dieses Video ist natürlich voller Klischees, aber es trifft trotzdem einfach haargenau wofür Kunst und der Künstler in der Öffentlichkeit heute durch die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte stehen. Für Aufgebalsensein, Show und für Inspiration und Eingebung, die irgendwie Nichtstun bedeuten.
Der erste Schritt um es als Künstler zum Beispiel in der Politik zu was zu bringen, lautet also: Andere dürfen nicht merken, dass man Künstler ist. Als besondere Erscheinung wahrgenommen werden darf man schon. Aber nicht als Künstler, denn Künstler ist schon wieder zu abgehoben.
Eine Facette von „besonders“ ist zum Beispiel kreativ.
 Im Fitnessstudio sagen die Leute oft zu mir, wenn sie meine lustigen Tattoos sehen – ich hab zum Beispiel einen Teebeutel tätowiert – und dazu vielleicht noch meine große Brille: „Du machst bestimmt etwas kreatives.“ Wie gesagt, ich gehe davon aus, das liegt an meinen Tattoos und der Brille, oft sagen die Leute aber auch: „Nein, nein, das hat damit gar nichts zu tuen, das spürt man einfach.“ Jedenfalls denken, die Leute oft, wenn sie mich sehen, ich mache bestimmt etwas Kreatives, und das empfinde ich als großes Kompliment. Denn: Kreativität beinhaltet Kraft, wohingegen Kunst machen noch immer irgendwie was Unreelles hat, etwas, das man nicht fassen kann, vielleicht auch etwas Betrügerisches, auf jeden Fall etwas, das man nicht mit harter Arbeit erreichen kann.
Lustigerweiße habe ich bei allen Gedanken, die ich mir bisher über Kunst gemacht habe, am wenigsten darüber nachgedacht, wie sich für Leute, das Bild, dass sie von mir haben ändert, wenn sie erfahren, dass ich Künstler bin. Ich meine: Nehmen Sie mich dadurch weniger ernst? Wegen all dem wofür Kunst steht? Weil Sie Künstler nichts ernst nehmen können? Weil Kunst etwas so merkwürdiges ist? Wofür steht Kunst denn heute in der Gesellschaft überhaupt? Für andere Leute,
und ich versetze mich jetzt einmal hinein in Leute, die Kunst bloß konsumieren, die in Kunstausstellungen gehen, Kunstvereine besuchen,also nicht für die, die selbst Kunst machen. Wofür steht Kunst für diese Leute?
In erster  Linie denke ich doch irgendwie für Glamour, Show und dann noch eine Art  Freizeitbeschäftigung, eine Art Ausgleich. Leute, die nicht Künstler sind, konsumieren Kunst in ihrer Freizeit oder wenn sie Urlaub haben, indem sie auf Ausstellungen oder Museen gehen. Freizeitbeschäftigung, Ausgleich, Show – alles ziemlich kraftlose Begriffe. Alle ziemlich leer, aber mächtig hochgepuscht.

Sinnlosigkeit überwinden

Aber was Künstler doch eigentlich wirklich ausmacht, ist doch, dass sie jeden Tag die Sinnlosigkeit von Kunst überwinden, an etwas arbeiten, dass sie sich selbst ausgedacht haben und das mit aller Kraft, die sie aufbringen können. Sich jeden Tag darüber hinwegsetzen, dass Sie etwas eigentlich Sinnloses machen und sich jeden Tag erfolgreich einreden, dass alles, was sie tun, einen Sinn hat. Entgegen aller Zweifel, entgegen der Angst und gegen das, was andere sagen. Und das wiederum steht doch mehr als alles andere für ungeheure Kraft.
Dass Kunst heute so in Verruf geraten ist, und ich mich als Künstler in gewisser Weiße weniger brauchbar als andere fühle, liegt doch daran, dass heute Dinge ausgestellt werden, und beim Wort "ausstellen", zeigt sich doch schon der erste Fehler, denn wie eine Kraft, und so definieren wir Kunst jetzt mal, als Kraft, wie kann also etwas Immaterielles wie eine Kraft ausgestellt werden?
Jedenfalls werden heute Dinge ausgestellt oder als Kunst verkauft werden , die spitzen wir es mal zu, doch eigentlich sinnlos sind, weil es im Extremfall nur um die Gefühle des Künstlers geht, an die er seine ganze Kraft „Kunst“ einfach sinnlos verschwendet hat, obwohl er damit doch Dinge tuen könnte, mit denen er sich am Ende nicht so wertlos fühlen und sinnlos vorkommen würde, wie jetzt.
Oft werde ich von meinen Kommilitone, meistens sind das Maler, gefragt, weil ich wegen meiner Vorstellung von Kunst Dinge mache, die nicht ihrem gängigen Bild von Kunst entsprechen, was ich denn später nach dem Studium mal machen möchte. „Kunst ja mit Sicherheit nicht“, meinen sie. Oft sind das Maler, die das Fragen und die glauben das eine Malerei auf Leinwand die einzig wahre Kunst sei. Meistens erzähle ich dann irgendwas von Journalismus, um sie in diesem Glauben zu lassen, dass ich später mal keine Kunst mehr machen will. Dabei bin ich mir sicher, dass in meiner Art von Kunst, in der Art, wie ich Kunst mache, die Zukunft liegt und ihre Art von Kunst irgendwann keinen Wert mehr haben wird. Es werden auch wieder schlechte Zeiten kommen und es wird nicht immer so viel Geld wie jetzt gerade für Kunst da sein, die bloß Deko ist.

Katastrophenschutz-Kunst

Ich sage nicht, dass meine Kunst  Katastrophenschutz-Kunst ist, aber meine Kunst ist eine, die Katastrophen gewahr ist, weil sie auf das Wesentliche reduziert ist, also nur auf die Kraft Kunst, die immer da sein wird, auch im Ausnahmezustand. Deshalb muss ich mal kurz allen Malern erwidern, fuck off, wenn ihr denkt, ich mache kein Kunst. Ich könnte auch malen wie ihr, aber ich bin halt dafür, alles unnötige wegzulassen, versteht ihr Schadstoffe zu reduzieren, so wenig Abfall, wie möglich zu produzieren.
Kunst darf niemals alles sein im Leben. Man darf sein Leben nicht der Kunst widmen, sowas geht im Grunde auch gar nicht, weil Kunst ja das ist, was einem im Leben antreibt, Kunst bedeutet zu ergründen, was einem im Leben antreibt und auf der anderen Seite ist Kunst gleichzeitig das, was man im Leben erreichen möchte. Diese beiden Pole, das ist Kunst, also etwas umspannendes, umfassendes, eine Ideologie.

👔 Kultusminister 👔

Und im Bezug auf Ideologie gilt für Kunst dasselbe, wie in der Politik, um auf Politik zurückzukommen: Kunstideologie kann etwas Weltumspannendes sein, wie ein Weltverbesserer-Gedanke, wobei sich da dann aber die Frage stellt, wie realistisch das zu erreichen ist oder wenn jeder  diese Ideologie nur auf sich bezieht, dann wird Kunst eben mehr ein Lifestyle, so wie bei mir: Ich glaube durch Kunst mich selbst optimieren zu können, oder strebe es zumindest an und ich glaube dass, wenn jeder sich mit Hilfe der Kunst selbst optimieren würde, die Welt ein besserer Ort werden würde. Also indem jeder einzelne durch die Kunst an sich selbst arbeiten, können alle zusammen, die dasselbe tuen, gemeinsam die Welt verändern.
Aber warum hadere ich denn dann noch so oft mit der Kunst? Zum Beispiel im Falle eines Terroranschlags? Weil wir alle noch immer in einem völlig falschen Kunstsystem gefangen sind, das noch immer einen völlig falschen Vorstellung von Kunst hinterherrennt. Deshalb wäre auch das erste, was ich als Künstler in der Politik tuen würde, dieses völlig falsche Kunstsystem zu ändern: Dies müsste bereits in der Schule anfangen. Der Kunstunterricht dürfte nicht weiter Beschäftigungstherapie sein, sondern es müsste viel militärischer zugehen. Es müsste knallhart gefragt werden: Wie sehen deine Träume aus und wie glaubst du sie erreichen zu können? 
Es sollte nicht mehr darum gehen, Malen und Zeichnen beizubringen, sondern zu ergründen, was einem im Leben antreibt. Nur darum geht es in der Kunst. Kunstunterricht in der Schule als „Anleitung zum besonders sein“.
In der Kunsttheorie in diesem Fach sollte es nicht um das Auswendiglernen von Künstlern, ihren Werken und den dazugehörigen Daten gehen, sondern, wie in der Geschichtswissenschaft, die nachträglich versucht, die Geschichte zu deuten, klären, was hinter dem Werk eines jeweiligen Künstlers steckt, was hinter dem Drang, Kunst zu schaffen, steckt und dies für das eigene Leben adaptieren. Versteht ihr was ich mit Ideologie meine? Kunst als Überbau oder Fundament allen Handelns: Ich würde sagen, alles was einen Menschen antreibt im Leben, das ist Kunst. Deshalb sollten in Zukunft statt Kunstwerken auch Lebensentwürfe ausgestellt und miteinander vergleichen werden."


Kunst hängt mit dem Glauben daran zusammen, etwas Besonders zu sein, dem Wunsch, besondere Dinge zu tun.
Doch auf das Erleben einer Krise, wie den Terroranschlägen in jüngster Zeit,  folgt die Einsicht, dass man mit Kunstwerken nichts in der Welt verändern kann. 
Künstler trifft das Gefühl, nutzlos zu sein, noch härter als alle anderen, weil Kunst die Entscheidung für ein besseres Leben ist. Weil sie sich von Kunst einst versprochen haben, mehr damit erreichen zu können als andere.
Doch dieser Glaube ist echt und diese Überzeugung ist – trotz aller Konfrontation mit der eigenen Machtlosigkeit – das einzig Untrügerische: Kunstwerke sind wirkungslos, nicht aber der Glaube des Künstlers an etwas Großes.
Warum also weiter Kunstwerke machen – außer für die Geld- und Show-Maschinerie?
Kunstwerke sind keine Kunst, sonder allein der Glaube an etwas Großes ist Kunst.
Das heißt: Wenn niemand mehr Kunstwerke macht, dann gibt es vielleicht auch bald keine Künstler mehr. Oder: Wenn Kunst der Glaube an etwas großes ist, der Gestaltungswille, der Glaube daran, etwas verändern zu können und die Kraft, das auch anzugehen, dann sind auf einmal vielleicht viel mehr Menschen Künstler...